Psychologische Studien
für Kinder und Jugendliche

Informationen für Eltern / Erziehungsberechtigte

Worum geht es?

Alle Kinder und Jugendliche erleben manchmal Angst in sozialen Situationen, z. B. dabei, ein Referat in der Schule zu halten oder eine neue Gruppe kennenzulernen. Einige Kinder entwickeln jedoch so starke Ängste, dass der Alltag sehr belastend sein kann und ihre natürliche Entwicklung erschwert ist. Unser Team aus Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen möchte mehr darüber erfahren, wie starke soziale Ängste bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 9 bis 14 Jahren entstehen und wie diese Ängste aufrechterhalten werden.

Wie lange dauert die Studie?

Die Teilnahme umfasst 4 Termine (Dauer: je 1.5 - 2 Std.) innerhalb von 4 bis 6 Wochen. Die Termine werden individuell nach Ihren Möglichkeiten vereinbart.

Was passiert bei den einzelnen Terminen?

In einem ersten Telefontermin sprechen wir mit Ihnen über den genauen Ablauf des Projekts und prüfen, ob eine Teilnahme für Sie und Ihr Kind grundsätzlich möglich ist. Falls ja, erhalten Sie und Ihr Kind eine Einladung zum Institut für Psychologie. Auch bitten wir Sie, im Vorfeld einige Fragebögen online auszufüllen. Diese sind wichtig und notwendig, damit wir eine umfassende Diagnostik durchführen können. Vor Ort finden anschließend vier Termine statt:

1. Termin: Diagnostisches Interview
Bei dem ersten Termin geht es darum, ob Ihr Kind in sozialen Situationen (z. B. einen Vortrag zu halten, sich mit anderen Kindern verabreden) Ängste empfindet, wie stark diese Ängste sind und ob weitere Probleme bei Ihrem Kind bestehen. Dafür führen wir mit Ihnen und Ihrem Kind ein sog. diagnostisches Interview durch. Bei diesem Interview werden Fragen zu unterschiedlichen Bereichen gestellt, in denen Probleme auftreten können. Das hilft uns, die aktuelle Situation besser zu verstehen und zu entscheiden, ob Ihr Kind für die Teilnahme an unserer Studie geeignet ist.

Um einschätzen zu können, wie sich Kinder und Jugendliche fühlen, was sie beschäftigt oder was ihnen leicht oder schwer fällt, setzen wir in unseren Studien Fragebögen oder Interviews ein. Häufig befragen wir auch die Eltern, z. B. danach, ob sie sich Sorgen um ihr Kind machen. Fragebögen werden schriftlich in Papierform oder online ausgefüllt.

Für Interviews laden wir die Kinder, Jugendliche und/oder Eltern zu uns in die Universität ein, damit wir die Fragen im gemeinsamen Gespräch stellen können. Die Fragebögen und Interviewverfahren sind keine Tests, in denen es richtige oder falsche Antworten gibt. Es ist vor allem wichtig, dass die Fragen ehrlich beantwortet werden, damit wir eine gute Einschätzung bekommen. Alle Informationen, die wir von Kindern und Eltern erhalten, werden streng vertraulich behandelt.

2.-4. Termin: Untersuchungstermine
Bei den drei Untersuchungsterminen geht es darum, Gedanken rund um soziale Situationen besser zu verstehen. Hierzu füllt Ihr Kind zu Beginn der Termine unterschiedliche Fragebögen aus. Anschließend bekommt Ihr Kind die Aufgaben, einen kurzen Vortrag vor anderen Kindern zu halten, die per Video dazu geschaltet werden. Bei der Vorbereitung des Vortrags und während des Vortrags messen wir den Herzschlag und die Schweißbildung Ihres Kindes. Die Messung dieser körperlichen Signale ist nicht schmerzhaft. Für uns ist die Erfassung körperlicher Prozesse sehr wichtig, weil wir dadurch Hinweise auf körperliche Stressreaktionen erhalten. Wir erfassen außerdem sprachliche Äußerungen auf Tonband, weil uns z. B. die Stimmhöhe interessiert. Den Inhalt der sprachlichen Äußerungen von Ihnen oder Ihrem Kind werden nicht untersucht. Um später Rückschlüsse ziehen zu können, wie sie mit der Aufgabe umgehen konnten, nehmen wir zudem den Vortrag auf Video auf. Im Anschluss werden die Kinder über negative und positive Gedanken in und nach der Vortragssituation befragt.

Im ersten Untersuchungstermin wird zusätzlich untersucht, ob die Aufmerksamkeit in der Vortragssituation auf Hinweisen außerhalb der eigenen Person (z. B. andere Personen im Raum) oder auf internalen Signalen (z. B. Körperempfindungen) liegt. Dazu werden Blickbewegungen mit einer sogenannten Eyetracking-Brille erfasst. Diese Brille erlaubt es, nachzuvollziehen, wohin eine Person wie lange schaut. 

Was passiert im Körper? - Peripherphysiologie

Menschen haben viele unterschiedliche Gefühle. Dabei reagiert nicht nur unser Gehirn, sondern auch unser Körper auf vielfältige Art und Weise. Unser Körper setzt unsere Gefühle und Gedanken in körperliche Reaktionen um. Solche körperlichen Reaktionen treten bei positiven wie auch bei negativen Gefühlen auf. So hat man z. B. einen schnelleren Herzschlag oder bekommt feuchte Hände, wenn man aufgeregt ist. Oder man fängt an zu zittern oder schneller zu atmen, wenn man Angst hat. Andersherum sind diese körperlichen Reaktionen auch wichtig, da sie uns zeigen, wie es uns gerade geht. Dann beeinflussen unsere Körperreaktionen unsere Gedanken. Wenn wir z. B. im Schwimmbad auf dem 5-Meter-Brett stehen und unser Herz sehr schnell schlägt, können wir denken: „Oh, ich bin aber aufgeregt. Ich habe Angst!“ oder aber „Oh, ich bin aber aufgeregt. Ich freu mich schon zu springen!“. 

EDA (Elektrodermale Aktivität) 

Unsere Haut reagiert auf bestimmte Gefühle wie Angst oder Aufregung, in dem sie mehr Schweiß produziert. Das passiert bei jedem Menschen ganz automatisch. Wir nennen das „Elektrodermale Aktivität“ (EDA). Diese können wir mit Hilfe von kleinen Messknöpfen (Elektroden sind an einem Armband befestigt) messen. Die Messknöpfe werden dabei auf die Haut geklebt. Das tut nicht weh und ist auch nicht gefährlich.

Wir interessieren uns dafür, in welchen Situationen so eine Veränderung auf der Haut eintritt. Auch können wir durch die Messung der elektrodermalen Aktivität schauen, ob eine Person gerade aufgeregt ist oder Angst hat. Das gibt uns wichtige Hinweise für unsere Untersuchungen.  

EKG (Elektrokardiogramm)

Auch unser Herz reagiert ganz automatisch, wenn wir bestimmte Gefühle haben. Wenn wir Angst haben oder uns sehr freuen, schlägt es z. B. schneller. Auch können wir durch Messungen an unserem Herzen Hinweise darauf bekommen, wie gestresst ein Mensch ist. Mit Hilfe des "Elektrokardiogramms" (EKG) können wir elektrische Aktivitäten des Herzens messen. Wir können quasi daraus ablesen, wie das Herz arbeitet und sich der Herzschlag verändert.

Hierzu können ebenfalls kleine Messknöpfe auf die Haut geklebt. Mittlerweile benutzen wir häufig einen einfachen Gurt, den man um seinen Oberkörper legen kann (alleine oder mit Hilfe). Bei der Testung sitzt dieser dann unter der Kleidung. Die meisten Kinder merken ihn gar nicht.

Eyetracking (Blickbewegungsmessung) 

Im Alltag helfen uns die Augen dabei, Personen oder unsere Umwelt zu erkennen und zu verstehen. Menschen betrachten ihre Umwelt meistens, ohne viel darüber nachzudenken. Für uns ist es jedoch sehr interessant, zu wissen, wohin und wie lange Menschen auf verschiedene Dinge achten. Das gibt uns Hinweise darauf, wohin Menschen ihre Aufmerksamkeit richten. Hierzu nutzen wir spezielle Brillen (sogenannte "Eyetracking-Brillen"). Das Tragen der Eyetracking-Brillen ist ähnlich wie das Tragen einer normalen Brille. Es ist völlig schmerzfrei und ungefährlich und man gewöhnt sich sehr schnell daran. Für uns ist es z. B. spannend, ob stark ängstliche Kinder und Jugendliche andere Dinge länger oder häufiger anschauen als Kinder und Jugendliche ohne solche starken Ängste.

Im zweiten und dritten Untersuchungstermin wird die Vortragsaufgabe entweder allein oder mit Unterstützung der Eltern durchgeführt. Hierdurch wollen wir untersuchen, inwiefern dies die Gedanken über die Situation beeinflussen kann.

Abschließend werden wir mit Ihnen die Studienteilnahme nachbesprechen. Auf Wunsch sind wir ggf. bei der Auswahl eines geeigneten Therapieplatzes behilflich.

Wozu dient die Studie?

Durch Ihre Teilnahme am „Gedankenkarussell: Das Kinderangstprojekt“:

  • erhalten Sie einen Einblick in die wissenschaftliche Forschung und tragen zu einem besseren Verständnis sozialer Ängste bei Kindern und Jugendlichen bei. Dadurch können Trainingsprogramme verbessert werden, sodass weniger Kinder und Jugendliche mit solchen starken Ängsten leben müssen. Bei Interesse schicken wir Ihnen gerne nach Abschluss der Untersuchung die Studienergebnisse zu.
  • bekommen Sie und Ihr Kind ausführliche diagnostische Informationen, um die evtl. vorliegende Problemsituation besser zu verstehen. Sollte sich herausstellen, dass Ihr Kind an starken sozialen Ängsten leidet, unterstützen wir gerne bei der Auswahl einer Therapiemöglichkeit.
  • erhalten Sie und Ihr Kind bei vollständiger Teilnahme an allen Untersuchungen eine Aufwandsentschädigung von 100€. Hiervon erhält Ihr Kind 60€ und Sie 40€.

Wer kann teilnehmen?

Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 14 Jahren mit starken sozialen Ängsten und als Vergleichsgruppe mit wenigen sozialen Ängsten.

Was geschieht mit Ihren Daten?

Die Teilnahme erfolgt anonym, d. h. die Daten sind nicht auf Sie und Ihr Kind zurückzuführen. Alle am Projekt beteiligten Mitarbeiter*innen stehen zudem unter Schweigepflicht, d. h. alle Daten verbleiben im Projekt und werden nicht nach außen getragen. Alle Unterlagen werden verschlossen in Schränken bzw. verschlüsselt digital aufbewahrt. Videoaufnahmen werden unmittelbar nach der Auswertung gelöscht.

Wo findet die Studie statt?

Die Studientermine finden am Institut für Psychologie am Campus Adlershof statt.

Kontakt

Bei Interesse an einer Studienteilnahme oder weiteren Fragen wenden Sie sich gerne per Email oder telefonisch unter 030 2093 99139 an uns.